, Bettlektüre des Monats Juli

Ein Leben ohne Schlaf können und wollen wir uns gar nicht vorstellen, aber genau das passiert der Protagonistin in Haruki Murakamis „Schlaf“. Schlaflos gewinnt sie Zeit und kann in den Nachtstunden das tun, wozu sie am Tag nicht kommt beziehungsweise was niemand mitbekommen soll. Dass dieses Doppelleben jedoch nicht so ganz ohne ist, bekommt der Leser ebenfalls schnell zu spüren.  So verlockend ständiges Wachsein ohne Qualen im ersten Moment klingen mag, so beunruhigend ist die Vorstellung gleichermaßen. Wer liebt schließlich nicht dieses Gefühl, sich müde in sein kuscheliges Bett fallen zu lassen? Würden wir unsere fantastischen Träume in einer Welt ohne Schlaf nicht vermissen?  Ein paar Buchseiten lang geben wir uns dieser Idee gerne hin, aber danach darf dann auch wieder genüsslich gegähnt werden.  Gute Nacht!

schlaf

Darum geht’s:

„Es ist der siebzehnte Tag ohne Schlaf.“ So beginnt Haruki Murakamis Erzählung von einer Frau, die nachts kein Auge mehr zumacht. Aber es fühlt sich anders an als die quälende Schlaflosigkeit, die sie als Studentin erlebt hat: Jetzt ist sie auf zauberhafte Weise nicht mehr müde. „Ich kann einfach nicht schlafen. Noch nicht einmal ein Nickerchen.“
Spätabends, wenn ihr Mann und ihr Sohn im Bett liegen, beginnt sie ein zweites Leben, und die Nächte sind bei Weitem aufregender als ihre gleichförmigen Tage – aber auch gefährlicher.

Die Illustratorin Kat Menschik hat den Zauber von Murakamis Erzählung in traumgleiche Bilder gebracht. Auch deshalb ist dieser durchgehend in Duotone (Nachtblau/Silber) gedruckte Band ein guter Grund, nachts wach zu bleiben.

Leseprobe: Haruki Murakami: Schlaf

Haruki Murakami wurde 1949 in Kyoto, Japan geboren und wuchs in Kobe auf. Nach abgeschlossenem Studium verließ er 1975 die Waseda-Universität in Tokio, wo er anschließend sieben Jahre lang Eigentümer einer kleinen Jazz-Bar war. Zu Murakamis weiteren Veröffentlichungen zählen „Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt“ (1984, dt. 1995), „Naokos Lächeln“ (1987, dt. 2001), „Tanz mit dem Schafsmann“ (1988, dt. 2002), „Gefährliche Geliebte“ (1992, dt. 2000), „Der Elefant verschwindet“ (1993, dt. 1995) und „Wie ich eines Tages im April das 100%ige Mädchen sah“ (dt. 1996).

Kat Menschik lebt als freie Illustratorin in Berlin und im Oderbruch. Ihre Zeichnungen erscheinen regelmäßig in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, Stern und Brigitte.

Wer jetzt neugierig geworden ist, sollte in diese kurze Erzählung abtauchen und sich von den schillernden Illustrationen berauschen lassen…