Warum wir träumen

Nachts, wenn wir schlafen, begeben wir uns in fantastische Abenteuer und erkunden fantasievolle Welten. Mal bunt, mal erschreckend, mal ganz schlicht und ruhig. Unseren Träumen sind keine Grenzen gesetzt, aber warum träumen wir überhaupt? Wissenschaftler sind sich einig, dass Träume extrem wichtig für unser Wohlbefinden sind. Wir schauen uns an, was dahintersteckt und was Träume für uns bedeuten.

  1. Warum träumen wir?
  2. Träumen wir die ganze Nacht über?
  3. Was passiert beim Träumen im Gehirn?
  4. Tagträumen

Warum träumen wir?

Baum mit SternenhimmelEs gibt verschiedene Theorien, warum wir träumen und nachts in andere Welten abschweifen. Weit verbreitet ist die Annahme, dass wir das Träumen für eine Art geistige Hygiene brauchen. Durch unsere Träume mistet das Gehirn sozusagen aus, sortiert die neu gewonnenen Informationen des Tages und wertet diese. So chaotisch unsere nächtlichen Fantasien auch manchmal wirken, so sorgen sie eigentlich für Ordnung im Kopf. Im Schlaf formen wir aus konfusen Gedankenfetzen eine innere Ordnung, die uns hilft, Erfahrungen zu bewerten, Erinnerungen zu speichern und unsere Gefühlswelt zu sortieren. Sowohl die schönen Träume als auch die nicht so schönen Träume, besser bekannt als Albträume helfen uns, Erlebnisse zu verarbeiten und machen uns am nächsten Tag wieder bereit für neue Dinge, die auf uns einströmen.

Eine andere Theorie geht noch weiter und sieht im Träumen die Vorbereitung auf Alltagssituationen. Jede nervenaufreibende Situation, die wir tagsüber erleben und die damit einhergehenden Emotionen begleiten uns bis in den Schlaf. Die Nervosität vor einem wichtigen Meeting oder die Sorgen vor einem Vorstellungsgespräch können zum Beispiel Gegenstand unserer Träume werden. Durch den Traum sind wir auf die schlimmsten Szenarien vorbereitet und besser dafür gewappnet, uns der Situation im Alltag zu stellen oder sie ganz zu vermeiden.

Carl Gustav Jung, der Begründer der analytischen Psychologie, sieht in Träumen eine Ebene der Kommunikation zwischen dem Bewussten und dem Unbewussten. In der Traumdeutung geht es deshalb darum, die Hintergründe unserer Träume zu erkunden. Dahinter steckt die Überzeugung, dass unsere Träume etwas über unsere Persönlichkeit und unsere aktuelle Lebenslage aussagen.

Träumen wir die ganze Nacht über?

Auch wenn man sich nicht jeden Morgen an seine Träume erinnern kann, so träumen wir doch jede Nacht mehrmals – allerdings nicht die ganze Zeit über. Das hängt mit unserem Schlafzyklus zusammen. In der Nacht durchlaufen wir mehrere Schlafphasen, die unterschiedlich lange andauern und sich mehrfach wiederholen. Dazu gehört zum einen die Einschlafphase, in der man langsam in den Schlaf gleitet. In der Leichtschlafphase befindet man sich im Übergang zwischen Tiefschlaf und Wachzustand und sie macht in etwa die Hälfte unseres Schlafes aus. In der Tiefschlafphase, auch Non-REM-Phase genannt, fahren die Körperfunktionen runter und die Augäpfel sind komplett still. Nach der Tiefschlaf-Phase beginnt dann die REM-Phase, in der wir intensiv träumen. In der REM-Phase arbeitet das Gehirn auf Hochtouren. REM steht für rapid eye movement (schnelle Augenbewegungen). In dieser Phase wird eine rege Aktivität in den Hirnrealen gezeigt, die mit dem Langzeitgedächtnis verknüpft sind. Im REM-Schlaf träumen wir besonders viel.

Sternenhimmel
Etwa alle 90 Minuten befinden wir uns in einer REM-Phase. Diese machen insgesamt ungefähr zwei Stunden unseres Schlafs aus, sodass wir etwa zwei Stunden in der Nacht träumen. Gegen Morgen werden die REM-Phasen immer länger und intensiver. So kommt es, dass Langschläfer öfter mal von verrückten Träumen aus dem Schlaf gerissen werden. Das Geträumte fühlt sich dann besonders real an, jedoch sind die Träume oft fern von jeglicher Realität. Oft wacht man schweissgebadet auf und braucht erst einmal einige Minuten, um wieder in das Hier und Jetzt zurück zu gelangen.

Was passiert beim Träumen im Gehirn?

Dass sich in der Traumphase unsere Augen unter den Lidern bewegen, haben wir schon verraten. Aber was genau passiert im Gehirn, während wir von Prüfungen, vom Fliegen oder von Monstern träumen? Neurophysiologen haben festgestellt, dass in der REM-Phase das limbische System, das die Gefühle verarbeitet, aktiver ist als im Wachzustand. Während das für die Vernunft zuständige Stirnhirn seine Aktivität zurückfährt. Unrealistisches wird plötzlich wirklich. Auch dort, wo Sinneswahrnehmungen und Bewegungen verarbeitet werden, ist jede Menge los, sodass man oft sogar bisschen erschöpft ist von den Ausflügen im Traum. Beruhigender Weise ruht allerdings jener Teil des Hirnstamms, der uns dazu verleiten würde, tatsächlich gegen die Monster aktiv zu werden und die Bewegungen aus dem Traum tatsächlich auszuführen.

Übrigens: Ein gleichmässiger Schlafrhythmus und ausreichend langer Schlaf helfen uns dabei, uns an unsere Träume zu erinnern. Eine behagliche Schlafumgebung kann ausserdem dafür sorgen, dass wir besser träumen. Das Unterbewusstsein registriert nämlich das Wohlbefinden – oder eben Unbehagen – des Körpers.

Tagträumen

Aber auch tagsüber sollten wir das Träumen nicht lassen. Lasst eure Gedanken ruhig mal schweifen und gönnt euch eine Auszeit von der Realität. Bei den Tagträumen werden die gleichen Areale des Gehirns aktiviert, die wir auch im Schlaf nutzen. Zudem behalten wir die Kontrolle und können uns so selbst das Ziel unserer Fantasiereise aussuchen. Besonders kreative Menschen beherrschen diese Kunst des Kopfkinos und schöpfen daraus neue Energie und Ideen. Tagträume helfen uns auch dabei Entscheidungen abzuwägen und unseren Charakter zu bilden.

Unsere Empfehlung: Augen zu und öfter mal träumen!

 

Bildnachweise:
Billy Huynh / unsplash.com
Ryan Grady / unsplash.com
Greg Rakozy / unsplash.com