, Großer Tropfen auf kleinstem Raum: Zu Fuß das unbekannte „Weinland Schweiz“ erkunden

Vielleicht ist er eines der bestgehüteten Geheimnisse der Schweiz: der Wein. In oft dramatischen Höhen angebaut, von feinster Qualität, sind die Mengen leider so gering, dass die Eidgenossen ihren „Wy“ lieber selber trinken. Nur ein bis zwei Prozent werden exportiert. Da hilft meist nur eins: Den Wein dort genießen, wo er angebaut wird. Und staunen, auf welch abenteuerlichem Grund extrem selten gewordene Reben gedeihen. Denn meist liegen die eher kleinen Weinberge so versteckt, dass man sie nur mit fachkundiger Führung findet. Sobald man sich aber auf einer so genannten Weinwanderung durch zerklüftete Schluchten, malerische Dörfer, vorbei an herrschaftlichen Schlössern zu den terrassierten Hanglagen hochgearbeitet hat, wird man großzügig belohnt. Nicht nur mit einer Verkostung vor Ort, sondern auch mit jeder Menge Wissen über Rebsorten, Klima, Traditionen und die hingebungsvolle Arbeit der Winzer. Denn jeder Wein hat nicht nur sein eigenes, durch Boden und Mikroklima bedingtes „Terroir“.

Die Weinlandschaften erzählen auch eine Menge über das kulturelle Erbe der Schweiz: Siedelnde Römer, mittelalterliche Zisterzienser-Mönche und reiche Patrizier haben in sonnenverwöhnten Flusstälern und auf ehemaligen Gletschermoränen den Grundstein für den Weinbau gelegt. Eine beachtliche Schar Idealisten sorgt heute dafür, dass nach wie vor vierzig uralte heimische Raritäten wie der Lafnetscha, der Himbertscha oder der Rèze angebaut werden. Sie bieten dem immer mehr auf Gleichartigkeit gepolten Weinmarkt trotzig die Stirn – und läuten vielleicht sogar eine neue Ära des modernen Weinbaus ein, wo das Label „swiss made“ noch kaum eine Rolle spielt.

Weintrauben_Ernte

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Die 1.100 Meter hoch gelegenen Wein- berge von Visperterminen im Kanton Wallis gelten als die höchstgelegenen in Europa. Im Wallis, vor allem rechts und links der Rhône, werden auch rund ein Drittel aller Schweizer Weine produziert, gefolgt von den Kantonen Waadt, Genf, dem Tessin, Zürich und Neuenburg mit der Drei-Seen-Region. Am verbreitetsten ist der Weißwein Chasselas (Gutedel, im Wallis „Fendant“), aber auch Müller Thurgau und der Sylvaner. Unter den Roten ist der Pinot Noir fast überall vertreten, besonders stark in der deutschsprachigen Ostschweiz. Im Genfer und Waadtland dominiert der Gamay, während man den Merlot vor allem im Tessin findet. Wer mag, kann also genau dort wandern, wo sein Lieblingstropfen gedeiht. Oder auf neuen Pfaden eine neue Leidenschaft finden. Oder auch bei der Weinlese zusehen, die bereits Mitte September begonnen hat. Das Jahr 2011 jedenfalls, so sind sich Fachleute jetzt schon einig, ist dank des warmen Frühjahrs ein überaus gutes Weinjahr für die Schweizer Winzer.

Zahlen und Fakten:
Die Rebfläche in der Schweiz beträgt 15.000 Hektar, im Jahr werden etwa 1,1 Millionen Hektoliter Wein produziert, davon etwa 51 Prozent Weißwein. Im Vergleich: In Frankreich werden auf einer Anbaufläche von 867.400 Hektar rund 45 Millionen Hektoliter Wein gewonnen, was etwa sieben Milliarden Flaschen Wein entspricht.

Literatur:
– Luc Hagmann: Wanderungen im Weinland Schweiz. Auf 25 Routen durch reizvolle Reblandschaften. Werd Verlag (1. Auflage 2010). ISBN-10: 385932649X, ISBN-13: 978-3859326491.
– Elsbeth Hobmeier, Beat Koelliker: Weinwanderwege in der Schweiz: Dreiseenland, Genfersee, Wallis. AT Verlag (1. Auflage 2005). ISBN-10: 3855028672, ISBN-13: 978-3855028672.
– Elsbeth Hobmeier, Beat Koelliker: Weinwanderweg in der Schweiz: Jura, Mittelland, Ostschweiz. AT Verlag (1. Auflage 2006). ISBN-10: 3038002232, ISBN-13: 978-3038002239.

Weitere Informationen zu Weinwanderungen:
www.weinwanderungen.ch
www.weinweg.ch

Allgemeine Informationen zu Schweizer Wein:
Swisswine
Weingüter in der Schweiz
– In der Vereinigung Clos, Domaines & Chateaux schlossen sich 2004 rund zwanzig Besitzer von Weingütern – darunter einige der schönsten des Waadtlandes – zusammen, um die unter besonders strengen Richtlinien produzierten Weine ihres Terroirs zu vermarkten: Website

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