, Swissness in schönster Form

Ganz und gar nicht altbacken: Designobjekte der Eidgenossen sind „in“

Irgendwie kommt man nicht mehr daran vorbei: an dem weißen Kreuz auf rotem Untergrund, das auf Taschen, Jacken oder Uhren prangt. Dass eidgenössische Modelabel wie die Firma „Alprausch“ ausgerechnet die Schweizer Flagge in den Vordergrund stellen, zeugt nicht nur von großem Selbstbewusstsein, sondern auch einer gewissen Ironie im Umgang mit der eigenen Herkunft. Keine Frage, Design aus der Schweiz ist „in“, und das nicht erst seit den Freitag-Taschen, die Anfang der 1990er zum Synonym für angesagte Planentaschen wurden. Oder der Aluminium-Flasche von SIGG, die heute Outdoor-Freaks auf der ganzen Welt im Rucksack haben. Oder auch der „Swatch“, die in den 1980er Jahren an keinem Handgelenk fehlen durfte – und als bunte Plastikausgabe der gediegenen Schweizer Uhr den Uhrenmarkt revolutionierte. Gemeinsam haben die jungen Designer dazu beigetragen, dass „Swiss Made“ nicht mehr nur für hochwertig, funktional und teuer steht, sondern für witzige, unverwechselbare Gebrauchsgegenstände, die weltweit Bewunderer finden. Und dabei augenzwinkernd Heimatliebe transportieren.

Andere Designobjekte sind längst Klassiker geworden: Wie das Schweizer Taschenmesser, Ende des 19. Jahrhunderts für Soldaten der Schweizer Armee entwickelt, um Werkzeug für kleinere Arbeiten im Feld zu haben. Ein Klassiker auch die serifenlose Schrift „Helvetica“, 1956 vom Zürcher Grafiker Max Miedinger entworfen. Und die dreieckige, seit 1909 patentierte Verpackung der „Toblerone“, die von der Form des Matterhorns inspiriert wurde.

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©kochtopf/flickr

Und die Macher? Von berühmten Größen des Schweizer Designs wissen viele gar nicht, dass es sich überhaupt um Schweizer handelt. Le Corbusier etwa wurde 1887 als Charles-Édouard Jeanneret-Gris in La Chaux-de-Fonds im Schweizer Kanton Neuenburg geboren. Zu den Schweizer Designpionieren zählen auch Hans Bellmann, Jacob Müller oder Max Bill, deren Wurzeln in die Bauhaus-Bewegung zurückreichen. Die Schweizer Handschrift lässt sich schließlich auch an einigen der berühmtesten, in jüngster Zeit entstandenen Gebäuden bewundern. Die Tate Modern in London, die Allianz-Arena in München oder die Elbphilharmonie in Hamburg – sie wurden von zwei Baslern erdacht, Jacques Herzog und Pierre de Meuron.

Le_Corbusier

Le Corbusier ©alexisorloff/flickr

Dass die Schweizer die Entwicklung des guten Geschmacks zur Chefsache erklärt haben, davon zeugt übrigens auch die Tatsache, dass es eine eigens vom Bundesrat gewählte „Eidgenössische Designkommission“ gibt. Damit ist „weiß auf rot“ wohl kaum noch zu bremsen.

PS: Für die geglückte Verbindung von Design, Konzept, Ergonomie und höchster Qualität wurde unlängst auch ein Produkt aus dem Hause Swissflex gewürdigt: Das „International Forum Design“ hat die Swissflex Unterfederung uni 21 mit dem renommierten „iF product design award 2012“ ausgezeichnet. Bereits die zweite Auszeichnung für ein Produkt, das bereits den „Interior Innovation Award – Winner 2011“ erhielt und für den „Designpreis Deutschland 2012“ nominiert ist.

Literatur:
Klaus Leuschel: Swissness. 2010 (Niggli). ISBN-10: 3721207165, ISBN-13: 978 3721207163

Titelfoto: ©twicepix/flickr