, Welcher Tropfen gehört in welches Glas?

Bei der Wahl des richtigen Weinglases ist es ein bisschen wie bei der Wahl des richtigen Bettes: Unterstützung dort, wo es nötig ist, und jede Menge Freiheit, damit wir uns entfalten können. Und keine unnötige Ablenkung, damit man sich voll aufeinander einlassen kann. Die feinen Aromen sind nämlich Diven, die sich schnell verflüchtigen, wenn man sie nachlässig behandelt.

Grundsätzlich gilt deshalb: Bunte, stark geschliffene Gläser lenken von der Reinheit und Farbe ab, weniger ist hier also mehr. Randvoll sollte das Glas nie sein, sonst raubt man dem Wein buchstäblich die Luft zum Atmen. Die Form des Glases bestimmt auch, wo wir welche Aromen zuerst wahrnehmen: Süßes auf der Zungenspitze, Bitteres im hinteren Bereich und Saures und Salziges an den Zungenrändern.

Weißweine trinkt man in aller Regel aus kleineren, bauchigen Gläsern mit etwas verengter Öffnung. Duft und Frucht – das „Bouquet“ – werden so bewahrt und nach oben hin konzentriert, damit die Nase die Aromen aufnehmen kann. Rieslinggläser sind oft nach außen gekrümmt, um den Wein auf die Zungenspitze zu lenken, wo wir eher Süße als Saures schmecken. Das kleinere Volumen hat den Vorteil, dass der meist kühl getrunkene Weißwein schneller ausgetrunken ist und seine Temperatur halten kann. Je üppiger der Weißwein aber (z.B. Chardonnay oder Sauvignon Blanc), desto mehr Volumen ist nötig, um die Aromen hervorzukitzeln.

Weinglas_groß

©Conanil/flickr

Rotweine mit ihren üppigeren Aromen fühlen sich in einem größeren, bauchigen Glas mit einer eher großen Öffnung am wohlsten. So trinkt man größere Schlucke, die sich in der gesamten Mundhöhle aus- breiten können und für ein intensives Geschmackserlebnis sorgen. Je schwerer der Rot- wein – etwa Burgunder oder Barolo – desto mehr Bauch darf es haben, damit sich der Wein durch den Kontakt mit der Luft öffnen und alle Aromen entfalten kann. Tanninreiche Rotweine dagegen empfehlen sich für schmalere Gläser, die Gerbstoffe werden dadurch in den Hintergrund gedrängt und die Frucht hervorgehoben.

Süße Dessertweine genießt man idealerweise in kleinen Kelchen. So kann man in Schlückchen die Süße auf der Zungenspitze zergehen lassen.

Champagner und Sekt trinkt man am besten aus einer hochwandigen Tulpe, damit sich der Schaum schön aufbauen kann.

Am besten ausprobieren und denselben Tropfen mal in verschiedenen Gläsern kosten. Zum Wohl!

P.S.: Laut Knigge wird das Weinglas immer am Stiel angefasst, um den Inhalt nicht unnötig zu erwärmen und keine Fettfinger auf dem Glas zu hinterlassen. Bei mehreren Gängen werden die Gläser oberhalb der Messer aufgestellt, von rechts nach links in der Reihenfolge der Benutzung (also ganz rechts das Wasserglas, ganz links das Dessertweinglas).

Titelfoto: ©mscaprikell/flickr